Jülicher Zeitung: Chancengleichheit braucht Hilfe

Die Stadtelternschaft Jülich will mit einer Unterschriften-Aktion die Forderung nach Unterstützung für den Fortbestand der Schulsozialarbeit untermauern. Zum Jahresende droht das Aus.

von Dorothée Schenk

Jülich. So viel Einigkeit bei einem Thema ist selten: Schulsozialarbeit ist von unverzichtbarem Wert. Das finden jedenfalls Eltern und ihre Kinder, Lehrer mit ihren Schulleitungen und Politiker aller Fraktionen. Weil nach zwei Jahren Ende Dezember die Bundesgelder für Jülich ausgeschöpft sind, steht die Schulsozialarbeit vor dem Aus. Die Stadtelternschaft Jülich will das nicht hinnehmen und ruft zu einer Unterschriften-Aktion auf.

Es geht wie immer ums liebe Geld. Deutschlandweit wurde die Schulsozialarbeit vom Familienministerium mit 400 Millionen Euro angeschoben. Inzwischen verweist die Bundesregierung auf die Länderhoheit bei Schulangelegenheiten. Das Land NRW reicht die Verantwortung wiederum an die Kommunen weiter.

Da die Kassen der Kommunen jedoch allgemein leer sind, stellen diese Forderungen an das Land. Das Ende vom Lied: Im Hin- und Herschieben der Verantwortlichkeiten droht das „Aus“ für die Schulsozialarbeit. Nun muss sich zeigen, ob sich die Politiker im Kreis Düren ihren einst getroffenen Aussagen verpflichtet fühlen: „Prävention statt teurer Nachsorge“, hieß es 2009 im Koalitionsvertrag des Kreises Düren.

Vermittlungsquote gestiegen

Ein paar Zahlen aus Jülich können das Problem verdeutlichen. Um 33 Prozent sind alleine an der Schirmerschule die Anträge auf das Beihilfe- und Teilhabe-Paket (BuT) gestiegen, an der Realschule und Sekundarschule – die als auslaufende bzw. Nachfolgeschule gemeinsam bemessen werden – sind es immerhin noch fast 20 Prozent Zuwachs.

Das ist auf die Beratung von Isa Abdel-Fattah, Sabine Jacobi, An-drea Klein, Anja Laux und Yvonne Töpfer an den weiterführenden Schulen als Ansprechpartner zurückzuführen. Sie sorgen mit ihrer Beratung dafür, dass Familien mit geringem Einkommen ihre gesetzlichen Ansprüche auf Unterstützung – von der Nachhilfe bis zum Vereinsbeitrag, von der Klassenfahrt bis zum Mittagstisch – an den Schulen geltend machen können.

Darüber hinaus tragen die vier Schulsozialarbeiterinnen und ihr männlicher Kollege in Jülich auch zur beruflichen Orientierung bei. Durch ihre Unterstützung erhöhte sich die Vermittlungsquote für Berufseinsteiger nach dem Schulabschluss an der Hauptschule signifikant auf ca. 90 Prozent.

Schulsozialarbeit steht also für Förderung an Bildung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und gibt Kindern eine Perspektive und Lebensstruktur, die prägend für ihren Alltag ist und damit für die Gestaltung ihres zukünftigen Lebens beiträgt.

Über die Hälfte des Tages – Schlafenszeit abgezogen – verbringen Kinder an der Schule. Schule wird damit zu einem Lebensmittelpunkt. Über die Schulsozialarbeit erfahren Kinder soziale Umgangsformen. „Mobbing“ und Suchtverhalten kann früher offen gelegt und eine Lösung mit den Eltern oder Fachstellen angestrebt werden. Zusätzlich haben Schulsozialarbeiter ein offenes Ohr für Eltern bei deren Problemen mit ihren Kindern.

Eltern sind gefordert

Mit der Fülle der Aufgaben, die hier geleistet werden, ist ein Lehrerkollegium an jeder Schule zeitlich und personell überfordert. Gerade aber durch die „Kümmererfunktion“ sorgt das „Jülicher Quartett“ über die Beratung hinaus auch für ein gutes Lernklima an Schulen. Gerade darum wertschätzen Schulleitungen und Lehrer auch die flankierende Arbeit der Schulsozialarbeit.

Darum fordert die Stadtelternschaft Jülich die Erziehungsberechtigten auf: „Geben Sie Ihre Stimme für den Erhalt der Schulsozialarbeit.“ Dazu gibt es ab Montag, 31. März, die Möglichkeit zur Unterzeichnung der Online-Petition.

Unterschriftensammmlungen werden an den Schulen organisiert und am Samstag, 10. Mai, besteht die Möglichkeit, am Aktionsstand in der Innenstadt seine Unterschrift zu leisten. Gleichzeitig wird die Stadtelternschaft fordern, Schulsozialarbeiter auch an Jülicher Grundschulen einzuführen, weil die Erfahrungen der letzten zwei Jahre gezeigt haben: Schulsozialarbeit ist eine frühe Hilfe, damit starke Kinder aufwachsen.