Pädagogische Aufbruchstimmung

Innovative Schulen aus der Region trafen sich am 23. und 24.10.2014 im JUFA-Gästehaus zur Fachtagung „Schulen im Transformationsprozess“. Entwicklung von neuen Lern- und Arbeitsformen. Drei-Säulen-Struktur, Logbuch und Teamgedanke.

 

Jülicher Zeitung, 30.10.2014, von Daniela Mengel-Driefert Die Schullandschaft verändert sich. Hauptschulen laufen aus, die Sekundarschule etabliert sich, Gesamtschulen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Auch Schulen der klassischen Schulformen wollen mitunter neue Wege gehen. „Schulen im Aufbruch – Schulen im Transformationsprozess“ lautete der Titel eine Fachtagung in Jülich. Die Teilnehmer, zehn Schulen aus Nordrhein-Westfalen, hatten sich im Mai zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Gemeinsam „brennen“ sie für neue Lern- und Arbeitsformen, der Reflexion von bestehenden Lerninhalten und Methoden, einer wertschätzenden Beziehungskultur an der Schule, Teamarbeit und neuen Organisationsstrukturen. Im Fokus der Fachtagung stand der Erfahrungsaustausch und die Entwicklung von Perspektiven. „Wie wollen wir uns als innovative Schulen präsentieren?“, lautete eine Fragestellung im informellen Austausch. Alfons Döhler Schulentwicklungsbegleiter, Bildungswerk Aachen, leitete die Veranstaltung. Angelika Lafos, Leiterin der Sekundarschule Jülich, Peter Ruske von der Gesamtschule Heinsberg und Jana Lauscher, 4. Aachener Gesamtschule, erklärten im Gespräch mit unserer Zeitung die verbindenden Gemeinsamkeiten der „Schulen im Aufbruch“. „Die Umsetzung neuer Lernformen ist eine der großen Antworten auf Inklusion und individuelle Förderung“, sagt Peter Ruske und erklärt mit wenigen Worten, warum der „Aufbruch“ eigentlich einer Zielvorgabe entspricht. Denn: Um Kinder individuell fördern zu können, bedarf es neuer Ansätze und Veränderungen. Ein möglicher Weg dahin, führt über die strukturelle Umstellung des Schulalltags. Jana Lauscher beschreibt dazu drei Säulen: Das Lernbüro, die Projektzeiten und die Werkstätten. Praktisch sieht das so aus: Im Lernbüro arbeitet der Schüler individuell, im eigenen Tempo, Niveau und Tiefe. Sogar Klassenarbeiten werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten geschrieben. Der Fachlehrer wird zum Begleiter des Schülers, einer Art Coach, wie es heute neudeutsch heißt. In den Projektzeiten lernt der Schüler im Team, stellt Forscherfragen, die Schüler recherchieren weitestgehend selbstständig, nach sechs bis acht Wochen präsentieren sie ihre Arbeiten. Die dritte Säule der neuen Organisationsstruktur bilden die Werkstätten. Hier finde ein „aktiv handelnder Unterricht“ statt, zum Beispiel eine Theaterwerkstatt, Tanzen oder anderes. Die Werkstätten decken die klassischen Nebenfächer ab, Kunst, Musik oder praktische Philosophie. Eine weitere Besonderheit der Schulen im Aufbruch: „Das Herzstück ist das Logbuch“, sagt Angelika Lafos, Schulleiterin der Sekundarschule Jülich. In diesem Buch, das jeder Schüler erhält, werden Projekte eingetragen, Zielvereinbarungen getroffen, Unterschriften nach jeder Unterrichtseinheit geleistet. Das Logbuch sei ein Werkzeug zur Planung, Dokumentation und Kommunikation aller Beteiligten. Es diene zur intensiven Beratung und als Gesprächsgrundlage für Schüler, Lehrer und Eltern. Dadurch entstehe eine permanente Transparenz. „Wir sind in der Pflicht und müssen immer wieder Auskunft geben“, betont Lafos. Ein wichtiger Baustein der innovativen Schulen ist die Teamarbeit – nicht nur unter den Schülern. Die Lehrer bereiten sich ebenfalls im Team auf den Unterricht vor. Auch der verpflichtende Ganztag biete große Vorteile: „Wir nehmen belastende Themen aus den Familien, wie Hausaufgabenbetreuung oder die Vorbereitung auf Klassenarbeiten“, so Lafos. Kollege Ruske ergänzt, dass durch den Ganztag die Schulgemeinschaft gestärkt werde. Dadurch gebe es keine Gewalt untereinander oder Beschädigungen an Gebäuden. Und noch einen Vorteil stellen die drei heraus. Obwohl die Arbeitszeiten der Lehrer erheblich länger sind, sei die Zufriedenheit im Kollegium groß. Lafos bestätigt: „Wir sind im dritten Jahr nach der Schulgründung, und es ist noch keine Stunde ausgefallen.“