Schulen im Aufbruch -- Eine Anstiftung

Die Sekundarschule Jülich wird im neuesten Buch

von Magret Raesfeld beschrieben ...

 

 

Margret Rasfeld / Stephan Breidenbach                      
SCHULEN IM AUFBRUCH

EINE ANSTIFTUNG                     

Kösel 2014   ISBN 978-3-466-31030-2

S. 138 - S. 142

…. Im engen Austausch mit der 4. Gesamtschule setzt die 2012 neu gegründete Sekundarschule Jülich ebenfalls auf neue selbst organisierte Lernformen. Die Konzeptentwicklung an dieser Schule hat dabei vor allem zu berücksichtigen, dass Jülich  eher ländlich strukturiert und die Grundstimmung mit Blick auf Schule eher konservativ ausgerichtet ist. Die aktuellen Anmeldezahlen sprechen aber eine deutliche Sprache, dass auch die Jülicher Eltern sehr von dem auf Eigenverantwortung setzenden Konzept überzeugt (worden) sind. Feedback von Eltern:

„…schon mal ein vorsichtiges Herzlichen Glückwunsch. In Sachen Schule hat unser F. sich verändert, er geht sehr gerne in die Schule! Gelegentlich geht er freiwillig eher ins Bett, weil er am nächsten Tag ein interessantes Unterrichtsfach hat. Weiter so!“

„Unsere Tochter kommt jeden Tag zufrieden nach Hause. Sie hat bereits Freunde gefunden und freut sich morgens auf die Schule.“

„Dadurch, dass es Arbeitsstunden gibt, in denen geübt wird, gibt es ja keine Hausaufgaben mehr. Endlich haben wir wieder mehr Zeit, miteinander zu sprechen.“

„Unsere Tochter findet die Lehrer wunderbar und kommt mit den Lernmethoden sehr gut zurecht. Auch für uns als Eltern ist die Arbeit transparent. Im Vergleich zur Grundschule wird ihr an der Sekundarschule die Zeit gegeben, die sie braucht. Sie kommt entspannter und zufriedener nach Hause. Wir Eltern sind, wie unsere Tochter, mit der Wahl der Sekundarschule absolut zufrieden.“

Feedback von Schülern:

„Ich fühle mich sehr wohl und die Schule ist sehr cool. Meine Mitschüler sind sehr nett und die Lehrerinnen und Lehrer sind sehr nett. Ich werde ernst genommen. Die Erwachsenen nehmen sich viel Zeit. Hier macht das Lernen richtig Spaß.“

„Zuerst habe ich mich gewundert, dass ich so viel entscheiden kann. Aber ich lerne jetzt lieber als früher. Ich finde es gut, dass es verschiedene Lernstufen gibt.“

Feedback von Lehrern nach einer Hospitation:

Ich habe noch nie solche entspannten Lehrerinnen und Lehrer gesehen.“

„Die beobachtete Selbstständigkeit, die Übernahme der Verantwortung der Schüler für das eigene Lernen: Davon träumen die Lehrer in der gymnasialen Oberstufe.“

Feedback eines zukünftigen Lehrers nach mehreren Hospitationen:

„Was ich hier beobachten konnte, kenne ich sonst nur aus Filmen und Büchern. Dass so etwas möglich ist, hätte ich nie gedacht!“

Die Schulleiterin bat ihn, seine Eindrücke zu verschriftlichen. Der folgende Text ist daraufhin entstanden:

So etwas habe ich ja noch nie gesehen!

Dieser Gedanke fasst die Eindrücke vielleicht am besten zusammen, welche sich mir nach einem Vormittag an der jungen Sekundarschule Jülich offenbart haben. Zwar hatte ich schon von innovativen Unterrichtskonzepten gehört und gelesen und selbstverständlich auch versucht, zumindest Elemente jener modernen Konzepte im eigenen Unterricht zu verwirklichen, jedoch war dies meist schwer zu realisieren und oftmals auch frustrierend … Doch hier entscheiden die Schülerinnen und Schüler zu Beginn eines jeden Schultages zunächst selbst, in welchen Lernbüros sie weitgehend selbstständig arbeiten möchten. Mit dieser Freiheit zur eigenen Entscheidung geht ein kaum vergleichbares Maß an Motivation einher … Dabei scheint die Zeit des klassischen (reinen) Frontalunterrichts, in dem der Lehrer der ›Vorturner‹ ist und die Schüler mit mehr oder weniger viel Erfolg versuchen, die vorgegebenen Übungen ›nachzuturnen‹, obsolet geworden zu sein. In Jülich organisieren und lernen die Schüler vielmehr eigenständig mit Freude und Erfolg an der Sache. Außerdem wird den Schülern die Verantwortung übertragen, sich selbst in die Pflicht zu nehmen und ihr Lernen selbstständig und gewissenhaft zu organisieren und zu dokumentieren. So ist es möglich, dass jeder für sich Schritt für Schritt wichtige Lernziele erreicht und dennoch gemeinsam in einer Klassengemeinschaft arbeitet, in der ein besonderer Zusammenhalt gefordert und gefördert wird … Für die Klassengemeinschaft kommen die Schüler ihrer Klasse im Klassenrat zusammen und besprechen bzw. diskutieren aktuelle Themen, die für die ganze Klasse relevant sind. Auch während dieser Zeit halten sich die Lehrer als stille Beobachter im Hintergrund und man wird Zeuge einer demokratischen und wohlorganisierten Diskussionskultur, die bereits in den Klassen der unteren Jahrgangsstufen ein beachtliches Niveau erreicht, von dem sich so manche erwachsene Gesprächsrunde eine Scheibe abschneiden könnte.

Eine derartige Kommunikationskultur erzieht die Schüler schon während ihrer frühen Entwicklung zu verantwortungsbewussten, toleranten und nicht zuletzt mündigen Bürgern, wie es von unserer Gesellschaft gefordert wird.“ …..

 

Mehr zum Buch:


Eine globalisierte Welt, ihre hohe Veränderungsdynamik, die steigende Informationsflut und vieles mehr machen ein neues, zeitgemäßes Verständnis von Lernen und Bildung erforderlich. Das Lernen in sinnvollen Zusammenhängen, selbstbestimmt und mit Begeisterung, das Lernen im Leben, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, Wertschätzung, Anerkennung und Beziehung - das macht Lernprozesse erfolgreich.

Eine solche Kultur der Potenzialentfaltung ist weit mehr als das ABC des Wissens. Sie erfordert, Schule neu zu denken.

Um Schulen auf dem Weg zu Schulen der Potenzialentfaltung zu unterstützen, gründeten Margret Rasfeld, Stephan Breidenbach und Gerald Hüther die Initiative Schule im Aufbruch. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass jede Schule zu einem Ort wird, an dem Schülerinnen und Schüler ihre Talente entdecken und ihre Potenziale entfalten können. Sie versteht sich als Plattform, Ressource und lernendes Netzwerk für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung, das Schulen einlädt, inspiriert und ermutigt, den eigenen Weg zu finden, um eine Schule im Aufbruch zu werden.

Bildung geht jeden an. Dieses Buch geht jeden an. Es stellt grundsätzliche Fragen, es zeigt Wege zu Lernlust statt Schulfrust. Kinder und Jugendliche entfalten ihr Potenzial - ihre Entdeckerfreude, ihre Gestaltungslust, ihre Kreativität und Offenheit, ihre Zukunftskompetenz. Der notwendige Wandel kann nur eigeninitiativ von Menschen vor Ort umgesetzt werden. Immer mehr Schulen machen mit. Aber auch Bildungspolitiker und Topmanager unterstützen die Initiative - für eine menschengerechte Lebens- und Arbeitswelt.

Die Zeit ist reif. Jede und jeder ist gefragt und wichtig.

Dieses Buch ermutigt und stiftet an. Begeben auch Sie sich mutig auf den Weg.