Die Fußballkreismeisterschaft im Kreis Düren – Oktober 2026

Alle Jahre wird sehnlichst auf sie gewartet und die Schüler fragen einem Löcher in den Bauch, wann es endlich soweit sei. Nein, es geht nicht um die Abschlussfeier oder die Abschlussfahrt, sondern nur um die Fußballmeisterschaft der Schulen im Kreis Düren! Leider müssen sich die Spieler dieses Jahr besonders gedulden, denn das Turnier wurde sehr kurzfristig verschoben. Also wieder warten und die Spannung aufrechterhalten.

Und dann ist es endlich soweit, das Turnier findet nun tatsächlich statt. Wie jedes Jahr nimmt die Sekundarschule als krasser Außenseiter an diesem Wettbewerb teil. Getreu dem Motto von Pierre de Coubertin, dem Begründer der neuzeitlichen olympischen Spiele „das Wichtigste an den Olympischen Spielen ist nicht der Sieg, sondern die Teilnahme“ gehen wir mit Demut und Nüchternheit an die Aufgabe. Doch warum sind wir uns bewusst, dass wir chancenlos sind?

It´s the demography, my friend!

Mit anderen Worten, unserer Schule ist mit knapp 600 Schülern zu klein, um mit den großen Gymnasien oder Gesamtschulen ernsthaft konkurrieren zu können, denn diese verfügen über ein wesentlich größeres Spielerreservoir. Erschwerend kam dieses Jahr noch hinzu, dass wir nur einige gute Fußballer im 9. Jahrgang haben, so dass wir auf die unteren Jahrgänge zurückgreifen mussten und deshalb mit einer sehr jungen Mannschaft am Turnier teilnahmen. Dieses Jahr trafen wir in der Vorrunde auf das Gymnasium am Wirteltor, Haus Overbach und die Gesamtschule Aldenhoven-Linnich.

Trotz verweis auf die Statistik – bei jedem Turnier haben wir den letzten Platz belegt – und des Hinweises, dass wir mit Abstand die jüngste Mannschaft haben, träumen einige weiterhin von der Kreismeisterschaft, Bezirksmeisterschaft und sehen sich sogar im landesweiten Finale der NRW-Schulen. Um diese Schüler aus ihren Träumen zu wecken und etwaigen Enttäuschungen vorzubeugen, hielt der Schulsozialarbeiter der Sekundarschule diverse konfrontative Ansprachen, um die unrealistischen Hoffnungen zu dämpfen und andererseits um gezielt zu provozieren, damit sich die Jungs auch wirklich im Spiel zerreißen. Die Jungs freuen sich mit oder ohne Chance trotzdem auf das Turnier und sind heiß. Doch warum tut sich der Schulsozialarbeiter den Job als Trainer an und nimmt dafür Extrastress und Arbeit in Kauf?

Natürlich um den Jungs eine Freude zu bereiten. Das Ganze hat aber auch einen pädagogischen Hintergrund. Schüler schätzen gute und gerechte Lehrer / innen. Viele können aber erst später den Wert der schulischen Bildung wirklich würdigen. Viel prägender sind in der Adoleszenz Gemeinschaftserlebnisse und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ermöglicht man Schülern den Wettkampf mit anderen Schülern und Schulen, so ist das für den Moment für sie viel prägender, als der Unterricht, den sie sowieso jeden Tag haben. Für mich als Schulsozialarbeiter ist die Vorbereitung und Teilnahme an einen Schulturnier für die alltägliche Praxis von großer Bedeutung, denn so kann ich eine Bindung über das rein Schulische aufbauen. Wer einmal im Team war, mit dem kann ich ganz anders, offener und direkter, reden. Gerade in Konfliktsituationen kann der Hinweis auf unsere Fußballhistorie sehr hilfreich sein. Der andere wichtige pädagogische Aspekt ist, dass die Schüler sich als Einheit begreifen und Rücksicht auf ihre Mitspieler nehmen müssen. Denn dem größten Star ist klar, ohne das gesamte Team kann er nicht gewinnen. Gerade bei Fußballern mit ihrem mitunter beträchtlichen Ego ist das eine sehr gute Lehre für das Leben!

Zurück zum Turnier: Unser erstes Spiel fand gegen den hohen Favoriten Wirteltorgymnsasium statt. Schon nach ein paar Minuten mussten wir unseren Stammtorwart beim Stande von 0:0 aufgrund einer Verletzung ersetzen. Was war passiert? Ein schneller Gegenstoß vom Wirteltor wurde mit einem Steilpass in unseren Strafraum abgeschlossen. Unser Torwart kommt heldenmütig raus, ist vor dem Stürmer am Ball und kann klären. Der Stürmer schafft es jedoch nicht mehr, über den Torwart zu springen und trifft ihn volle Kanne am Kopf. Unser Torwart muss in der Folge verletzt vom Platz und wird direkt im Anschluss von seinem Vater ins Krankenhaus gebracht. Gott sei Dank hat der Torwart nichts gebrochen, sondern „nur“ Prellungen. Der Schock sitzt aber bei allen tief, zumal wir keinen Ersatztorwart dabeihaben. Uns beschäftigt zudem, wieso der Schiedsrichter nicht mal eine Gelbe Karte zückt.

Hoffentlich wird das nicht der Anfang einer „wunderbaren Freundschaft“ unserer Mannschaft mit dem Schiedsrichter…. Es kommt, wie es kommen musste, das Wirteltorgymnasium spielt seine spielerische und mannschaftliche Geschlossenheit sehr souverän aus und gewinnt die Partie auch in dieser Höhe verdient 6:0. Etwas Positives hat das Ganze trotzdem, denn nun haben alle verstanden, hier geht es nicht um gemächliches Traben im Mittelfeld oder Kunststücke für die Galerie, sondern um Laufen, Kämpfen und für die Mannschaft Aufopfern.

Im zweiten Spiel treffen wir auf den anderen Mitfavoriten Haus Overbach. Das Spiel bleibt lange offen und steht unentschieden. Dann kommt die entscheidende Szene des Spiels: unser bester Angreifer wird sehr unsanft gefoult. Der Schiedsrichter steht daneben und pfeift nicht. Nun geht unserem Stürmer, der wohlgemerkt einer der fairsten im Team ist und nie reklamiert, der Gaul durch! Er fragt den Schiedsrichter, ob er blind sei… Folgerichtig erhält er den Regularien entsprechend die rote Karte. Von seinem Ermessensspielraum sieht der Schiedsrichter ab, auch wenn keine Verwarnung vorlag.

Schiedsrichterentscheidungen muss man akzeptieren und darüber lamentieren ist müßig. Jeder, der schon einmal selbst ein Spiel geleitet hat, weiß, wie schwierig es ist, innerhalb von Sekunden entscheiden zu müssen. Schiedsrichter-Schelten bringen nichts und man hat die Schiedsrichterentscheidungen einfach ohne Wenn und Aber zu akzeptieren.

Als Trainer muss man Vorbild sein und die Mannschaft beruhigen. Daher wurde in dem Fall vorsorglich ein Spieler von uns ausgewechselt, um weitere Disziplinarmaßnahmen zu verhindern. Aber dass das Spiel nun entschieden war, hatte auch jeder sofort verstanden. Folgerichtig fegte uns Overbach mit 8:2 vom Platz. Das letzte Spiel trugen die Mannschaften aus, die bisher alle Partien verloren hatten. Die Gastgeberin, die GAL, traf auf die Sekundarschule Jülich.

Ein spannender Kampf um den vorletzten Platz war vorprogrammiert. Doch der Schiedsrichter hatte auch noch ein Wörtchen mitzureden und sperrte unseren Angreifer für das letzte Spiel aufgrund der vorhergegangenen roten Karte. Schiedsrichterentscheidungen muss man akzeptieren. Also traten wir mit einem Feldspieler als Torwart und ohne unseren besten Stürmer an. Und was niemand erwartet hatte, geschah auf wundersame Weise. In einem spannenden, aber fairen Spiel konnten wir die Gesamtschule auf ihrem eigenen Platz 2:1 schlagen.

Dementsprechend war unsere Freude sehr groß. Der überraschende Sieg lässt sich als eine enorme Willensleistung einordnen. Die Mannschaft wollte dem Schiedsrichter zeigen, dass sie über seiner Entscheidung steht. Und sie wollte ihrem Trainer beweisen, dass sie nicht so chancenlos ist, wie er im Vorfeld behauptet hatte. Mit anderen Worten, sie wollte dem Trainer seine Ahnungslosigkeit demonstrieren. Und das ist ihr bravourös gelungen!

Die Spieler in der Einzelkritik:

Torwart: Jonas, aka der Panther: Er hielt seinen Kasten bis zu seiner Verletzung sauber. Ein Torwart ohne Gegentreffer ist immer ein guter Torwart. Und seine Parade vor seiner Verletzung bleibt für immer!

Rechter Verteidiger: Fred, aka der Wolf. Mit seinen langen Beinen hat er viele Angriffe abgewehrt und war in der Verteidigung der Fels in der Brandung. Auch eine temporäre Augenverletzung konnte ihn nicht davon abhalten, bis zum Schluss alles zu geben!

Linker Verteidiger: Jannik, aka der Tiger. Aggressiv im Zweikampf und stark nach vorne.

Später auch als Stürmer sehr überzeugend und mit dem nötigen Torriecher.

Innenverteidiger: Mostafa, die Antilope. Er war mit Abstand der jüngste und spielte gegen wesentlich ältere Gegner. Gemerkt hat man es nicht, im Gegenteil! Abgeklärt, ruhig und stets hellwach hat er die gegnerischen Stürmer reihenweise ausgeschaltet.

Innenverteidiger: Noah, aka der Hirsch. Ruhig, still und besonnen. Und dann explodiert er und nimmt jedem Gegner den Ball ab. Spielt sehr mannschaftsdienlich und schnörkellos.

Sechser defensiv: Sercan, der Bär. Er räumte hinten alles ab und schaltete sich immer wieder gekonnt in den Spielaufbau ein.

Sechser offensiv: Manhal, aka der Gepard: Seine Schnelligkeit ist sehr beeindruckend und im Laufe des Turniers wurde er immer stärker.

Ilias, der klassische Zehner, aka der Fuchs: Ein unglaublich begnadeter Fußballer. Er hat alle Fähigkeiten, die ein Fußballer haben muss und er kann auch noch alles umsetzen. Seine Spielübersicht ist überragend, seine Solos legendär. Ein wahrer Kapitän!

Offensives Mittelfeld: Harun, aka der Löwe: Er kämpfte und rackerte für seine Mannschaft. Er gab keinen Ball verloren und konnte seine Körperlichkeit wirkungsvoll einsetzen.

Mittelstürmer: Kyrylo, aka der Leopard. Ein durch und durch fairer Sportsmann, der trotz seines großen Könnens immer bescheiden ist und bei vielen Fouls stets ruhig und besonnen bleibt.

Offensives Mittelfeld: Benjamin, aka der Schneeleopard. Er fand sich im Verlauf immer besser zurecht und kam häufig lautlos aus der Tiefe des Raumes. Wenn er sich einmal in seinen Gegner verbissen hatte, war kein Entrinnen mehr möglich!

Offensives Mittelfeld (Reserve): Milan, der Luchs: Er ist eines unserer Nachwuchstalente, spielt aber schon wie ein Großer. Seine Stärken sind seine Spielübersicht, das Aufbauspiel und sein großer Siegeswille.

Sturm (Reserve): Lukas, das Wiesel. Er ist auch eines unserer Nachwuchstalente, verfügt aber über alles, was ein Fußballer können muss: Spielwitz, Technik, Schnelligkeit und Torgefährlichkeit.

Sturm (Reserve): Arianit, der Puma. Auch er war vom Alter eigentlich viel zu jung. Trotzdem hat er bemerkenswert gespielt. Ihn zeichnet besonders aus, dass er keinem Zweikampf aus dem Weg geht und professionelle Härte an den Tag legt.

Ein ganz besonderer Dank geht an unseren Co-Trainer und „Manager“ Raul.

Er hat nicht nur bei der Organisation, dem Training und der Motivation phantastisch geholfen, sondern ist auch noch „kalt“ als Ersatztorwart eingesprungen.

Als Trainer verneige ich mich vor dem sportlichen Ehrgeiz, den jeder einzelne Spieler gezeigt hat. Ihr habt unsere Schule würdig vertreten und es hat mir Freude bereitet, den Wettkampf mit euch zu absolvieren!

Artikel wurde vom Schulsozialarbeiter Isa Abdel-Fattah verfasst.